Ich hatte eine Erkenntnis und diese Erkenntnis hat mich tief getroffen. Andererseits denke ich nicht, dass ich mit dieser Tatsache alleine stehe. Inmitten all der Krisen habe ich endlich begriffen, dass ich keine Ahnung habe. Ich verstehe die Krisen nicht. Und ich habe mich wirklich bemüht, es zu verstehen. Aber ich scheitere schon daran, das Prinzip von Leerverkäufen zu verstehen. Denn, wenn ich es verstanden habe, verstehe ich nicht, wie so etwas überhaupt legal sein kann.

Im Grunde ist es doch so: Ich verkaufe das Auto meines Nachbarn, obwohl es mir nicht gehört. Oder die Wohnung im Stockwerk über mir. Oder Tiefgaragen-Stellplätze der Sparda-Bank. Vielleicht bin ich ja ein bisschen blöd, aber wie kann ich etwas verkaufen, das mir gar nicht gehört? Etwas, das ich gar nicht besitze?

Und bin ich die einzige, die sich wundert, dass Banken Produkte anbieten? Was denn für Produkte bitte? Und bin ich die einzige, der es missfällt, dass Parteien immense Spenden von Banken bekommen? Und stört es nur mich, dass Lobbyisten dieses Land regieren? Wie kann es sein, dass einige wenige alles diktieren?

Bis vor kurzem habe ich doch tatsächlich gedacht, die Politiker würden für uns arbeiten. Für uns – das Volk. Aber das ist Blödsinn. Das kann man an ein paar Dingen ganz gut erkennen. Ist es nicht überaus bemerkenswert, dass seit Jahren kein Geld für Bildung da ist? Und es gibt auch kein Budget für Kindertagesstätten. Und irgendwie ist eigentlich für nichts das nötige Kleingeld übrig.

Außer man braucht mal eben 750.000.000.000 Euro als Krücke für eine lahmende Währung, gegen die gerade spekuliert wird. Das sind so viele Milliarden, dass das Deutsche Staatsdefizit auf einmal richtig niedlich klingt. Und die KITA-Plätze sind wahrlich ein Schnäppchen im Vergleich zu Griechenland.

Meine Generation soll zukünftig die Rentner schultern. Und das mit einem monatlichen Einkommen von 400 Euro Praktikums-Gehalt. Das kann ja lustig werden. Wir werden immer lethargischer und träger, man hält uns (für) dumm und das in jeder nur denkbaren Weise.

Wem genau schuldet der Westen nun eigentlich das ganze Geld? Wem gehört es? Und was, wenn wir es einfach nicht zurückzahlen? Finden Sie es nicht skandalös, dass Menschen daran verdienen, wenn die Stützen eines Staates zu bröckeln beginnen?

Wir führen einen Krieg gegen Spekulanten. Sie haben keine Gesichter. Wir kennen sie nicht. Das ist doch ein unfairer Kampf. Ein Kampf gegen Geister, die die Märkte kontrollieren. Dieser Akt der Gewalt wird nicht nur nicht reguliert, er wird begünstigt und gefördert. Wir werden angegriffen und können uns nicht wehren.

Wenn man früher angegriffen wurde, war das mit Waffen und man konnte sich verteidigen. Man konnte zurückschießen. Doch heutzutage sind wir alle so eng miteinander verwoben, dass wir uns selbst anschießen, wenn wir zurückschießen wollen. Und wenn wir ganz ehrlich sind, wissen wir nicht einmal, wie man zurückschießen könnte. Wir hängen am Geldtropf und warten auf Wunder, die nicht kommen werden.

Noch so ein Vorteil an der alten Art von Angriffen war, dass das Böse ein Gesicht hatte. Hitler, Stalin, Mao, Bin Laden. Sie haben alle ein Gesicht. Man weiß, wer schuld war. Zumindest in einer schwarz-weißen Welt. Aber wer ist dieses Mal schuld? Ich kann es Ihnen sagen. Niemand ist schuld. Und niemand trägt die Konsequenzen. Ach ja, doch. Wir tun das.

Die Regierungen sind nicht so schnelllebig wie die Zeiten, denen sie Herr werden müssen. Sie entsprechen nicht dem Zeitgeist. Sie agieren nicht mehr, sondern versuchen schnell genug zu reagieren. Sie stolpern von einer Reaktion in die nächste. Und ihre Macht nutzen sie nur um den Schaden zu begrenzen, aber nicht um die Ursache zu beheben.

Und das eigentliche Problem ist, dass wir das alle mitmachen. Ich weiß auch, warum wir das tun. Was sollen wir schon ausrichten? Doch dann frage ich mich, was passieren müsste, damit die Menschen auf die Straße gehen? Was müsste passieren, damit wir den Politikern zeigen, dass wir das nicht länger mitmachen werden?

Und ganz ehrlich. Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nicht was passieren muss. Aber irgendwann wird etwas passieren. Vielleicht kriegen wir ja die Kurve, bevor uns unser System um die Ohren fliegt. Vielleicht kommt ein Sonnensturm und katapultiert uns zurück ins Mittelalter. Ist schließlich bald mal wieder fällig. Im Vergleich dazu, sind unsere heutigen Probleme eigentlich ganz niedlich. Warum sich also Sorgen machen?

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Gedanken